REVIEW | SuperStation One
FPGA-Systeme sind oft ebenso toll wie teuer. Mit der SuperStation One gibt’s nun eine günstige Multiplattform-FPGA-Konsole für alle, die etwas Geduld mitbringen können.

Was ich im Detail am 2. Februar 2025 gemacht habe, weiß ich nicht mehr. An EINE Sache erinnere ich mich aber sehr gut, auch weil mich verzweifelte Blicke in mein E-Mail-Postfach in den letzten 16 Monaten immer wieder daran erinnert haben: Ich habe an diesem Tag eine SuperStation One vorbestellt. Und die ist nun endlich angekommen. Die SuperStation One ist eine kompakte Konsole, die bewusst aussieht wie eine Playstation 1, inklusive entsprechender Ports für deren Controller und Speicherkarten.
Im Inneren ist es aber eine FPGA-Konsole, kompatibel zu den sogenannten Cores der MiSTer-FPGA-Systeme. Jeder Core steht für eine Retro-Plattform, die über den entsprechenden Core authentisch auf Hardware-Ebene emuliert wird. Nur dass man hier ein schickes All-in-One-Paket zu einem vergleichsweise günstigen Preis erhält. Ich habe als Vorbesteller 179 Dollar bezahlt, mittlerweile liegt der Preis bei 210 Dollar. Wobei das im Moment auch nur eine Vorbestellung wäre, nur dass man nicht mehr über ein Jahr, sondern hoffentlich deutlich kürzer warten würde. Wobei noch signifikante Zusatzkosten für Versand und Einfuhr anfallen. Dennoch: Im Vergleich zum MiSTer ist die SuperStation One billiger, auch weil Features wie die erwähnten Playstation-Ports hier direkt verbaut und nicht separat zu erwerben sind. Überhaupt ist die SuperStation One an all ihren Seiten mit Ports bestückt, lässt sich sowohl an modernen HDMI-Displays als auch an alten Röhren betreiben.
Die Benutzeroberfläche ist weitgehend textbasiert, eine echte Plug-and-Play Lösung ist das Gerät nicht, auch wenn die Anmutung anderes suggeriert. Ein Controller liegt nicht bei, ich habe via Bluetooth einen Playstation-5-Controller verbunden. Für die ersten Einrichtungsschritte und zum Beispiel mein WLAN-Passwort musste ich aber auch eine Tastatur anschließen. Das gelang nur über einen USB-Dongle, via Bluetooth konnte ich meine Logitech-Tastatur nicht koppeln. Das nur exemplarisch als kleine Beispiele für Komfortprobleme, die auftreten können.

Nach einer halben Stunde sind die initialen Hürden aber überwunden, das Befüllen der mitgelieferten Speicherkarte kann man optional einfach über ein FTP-Programm machen, sobald die SuperStation im WLAN ist. Die Performance und Authentizität der Spielwiedergabe sind exzellent, wie beim MiSTer ist aber auch hier mit der fünften Konsolen-Generation Schluss, also Playstation, Nintendo 64 und Sega Saturn. Zwei davon sind bekanntermaßen CD-Systeme, zu diesem Zweck verkauft der Hersteller Retro Remake für 45 Dollar ein SuperDock genanntes CD-Laufwerk. 4K-Ausgabe gibt es nicht. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Standardeinstellung von 1080p auf meinem 4K-TV durch das ganzzahlige Verhältnis beim Skalieren besser aussieht als die 1440p-Option. Auf Wunsch sind allerlei Bildfilter möglich, die zum Beispiel auf modernen Displays den Scanline-Look alter Röhren gut imitieren.
Hinter dem SuperStation-Anbieter Retro Remake steckt Taki Udon, ein Retro-Gaming-YouTuber und Hardware-Enthusiast, der vorher schon mit anderen Produkten bewiesen hat, dass er aus Visionen echte Produkte machen kann. Ohne diese Referenzen hätte ich wohl auch nicht mein Geld für die SuperStation ausgegeben und eine lange Wartezeit in Kauf genommen. Zu verlockend klang die Idee von einer günstigen, sehr gut ausgestatteten FPGA-Konsole. Wo ich sie nun aber in den Händen halte, hat mich die SuperStation One überzeugt. Ja, die Benutzeroberfläche ist noch sehr karg, soll aber bald durch eine schönere Lösung ersetzt werden. Als FPGA-Konsole funktioniert die SuperStation One bereits exzellent und bringt vor allem Bewegung in einen von teuren Geräten dominierten Nischenmarkt. Das „3D“, also das moderne FPGA-Nintendo 64 der Firma Analogue, kostet zum Beispiel 270 Dollar. Und ist auf EIN System beschränkt, weil es nicht kompatibel zu anderen FPGA-Cores ist. Natürlich hat das 3D den Vorteil eines Modulschachts, wer vorhandene Cartridges verwenden will, muss dies bei der SuperStation über entsprechende USB-Adapter bewerkstelligen. Im Hinblick auf Vielseitigkeit ist die SuperStation One auch durch seine vielen Ports den Boutique-Geräten von Analogue aber überlegen. Wobei man für sich vorher klären sollte, ob das Ganze wirklich nötig oder nur nice to have ist. Auch Software-Emulation ist in vielen Fällen mittlerweile extrem ausgereift, von echter Hardware oder eben auch FPGA-Systemen oft kaum noch zu unterscheiden.
Fabian Käufer
Fabian war viele Jahre Redaktionsleiter bei Rocket Beans TV, wo er heute noch als Freelancer das wöchentliche Format Game Talk moderiert und redaktionell betreut. Früher war er unter anderem Redaktionsleiter bei IGN und redaktionell sowie konzeptuell an vielen Gaming-Printmagazinen beteiligt.
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